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Trainingslager Lanzarote – Mein Erlebnisbericht über den Wiedereinstieg ins Schwimmen

Trainingslager Lanzarote – Mein Erlebnisbericht über den Wiedereinstieg ins Schwimmen

Ach was war das schön, als ich wirklich nach diversen Einreiseformalitäten, Corona-Tests und dem angedrohten Auslandsreisenverbot aus dem Flieger gestiegen bin und in die spanische Sonne blickte. Zwei Wochen Lanzarote lagen vor mir. Inclusive 25m Pool direkt gegenüber unseres Apartments.


Koffer ausgepackt, Badehose angezogen und schon ging es zur ersten Schwimmeinheit. 2km lockeres Einschwimmen standen auf dem Plan. Nach drei Monaten Pause auch mehr als ausreichend. Zuerst überwog die Freude über das Schwimmen, bevor sich nach den ersten Bahnen die große Ernüchterung einstellte. Wie auch schon nach dem letzten Lockdown im April letzten Jahres, war das Wassergefühl erneut weg: Ich habe kein Gespür für meine Wasserlage, auch kann ich meinen Zug nicht bewusst steuern und Druck auf der Handfläche habe ich schon gar nicht.


Naja, nichts anderes hatte ich erwartet. Trotzdem waren meine Einstellungen gegenüber dem 1000m Test am nächsten Tag eher pessimistisch. Ich bin dann nach einem kleinen Einschwimmen einfach drauf los geschwommen und habe mich überraschen lassen. Währenddessen war ich mir unsicher wie ich gerade performe. Die ersten 150m lief alles super, aber schon nach 300m war ich am Anschlag und nach 500m hätte ich am liebsten aufgehört. Gefühlt war die Ausdauer vollkommen weg, genauso wie das Wassergefühl. Ich habe mich dann bis zum Ende durchgequält. Was dann auf der Uhr zu sehen war hat mich ungläubig staunen lassen: 12:03min! Wow, wtf…. Zugegebenermaßen, war ich aufgrund des kalten Wassers im neuen Orca PREDATOR Neo unterwegs… Aber dennoch war die Zeit einfach nur unglaublich… Ein Hoch auf das Zugseiltraining, welches ich in den letzten Monaten konsequent durchgezogen habe.




In den zwei Trainingslager Wochen absolvierte ich an jedem zweiten Tag die ersten 6 Einheiten unseres Plans „Wiedereinstieg für Schwimmer und schwimmstarke Triathleten“. Die Einheiten sind um die 3-3,5km lang und bestehen in weiten Teilen aus technischen Übungen, Drills für das Wassergefühl und einfachen Grundlagenblöcken oder Tempovariationen. Meine Lieblingseinheit ist eine aus der zweiten Woche: 3x3x200 von GA1 über GA1+ bis hin zu GA2 von Intervall zu Intervall gesteigert. Ich war in der Lage diese in 2:30min, 2:25min und 2:20min zu schwimmen. Nach nur 10 Tagen Schwimmtraining war ich damit äußerst zufrieden.


Das Ziel des Trainingslagers war, den Körper wieder an die Belastung gewöhnen und auf keinen Fall zu viel zu machen oder zu hart einzusteigen. Am liebsten wäre ich jedem Tag, wie früher, um die 1,5h geschwommen. Aber das hätte mich vermutlich überlastet und meinem Körper nicht gut getan. So kam ich, aufgeteilt auf 9 Einheiten, insgesamt auf 27,7km. Normalerweise wäre ich in einem Trainingslager ungefähr das Doppelte geschwommen. Aber nach 12 Wochen ohne jegliches Training war es genau richtig.



Zum Abschluss stand dann noch das Rückspiel des 1000m Tests an. Um ehrlich zu sein hatte ich meine Bedenken, da ich ziemlich müde vom Trainingslager war. Ich hatte viel trainiert und war beim ersten Test komplett frisch. Und mal ehrlich, was soll sich in so kurzer Zeit schon entwickeln? Ich rechnete also nicht mehr mit einer Verbesserung, aber es kam anders. In 11:47 konnte ich nochmal deutlich schneller schwimmen. Und das nach zwei Trainingslagerwochen mit vielen Rad- und Laufkilometern! Ich muss zugeben, dass ich darauf ein bisschen stolz bin.


Ich versuche hier mal zu erläutern, wie die 16sec Steigerung zustande kam. Eins vorab: Nein, in zwei Wochen wird man nicht wieder vollständig zu alter Stärke zurückfinden, und man macht auch keine Quantensprünge in Sachen VO2max und Kraftausdauer. Davon mal abgesehen dass ich besagte Parameter auch kaum bis gar nicht trainiert habe. Der Unterschied in den 1000m Tests lag einzig und allein in dem wiedergewonnenen Wassergefühl. Es macht einen riesen Unterschied, ob man den Druck auf den Handflächen nach 200m nicht mehr spürt oder erst nach 750m. Es macht auch einen riesen Unterschied, ob man auch nach 800m noch die Energie dafür aufbringen kann, den Körper im Wasser lang zu machen um seinen Schwimmstil zu ökonomisieren. Während ich beim ersten Test nach spätestens 500m nur noch auf Ankommen geschwommen bin und überhaupt keine Kraft und Konzentration mehr für meine Technik hatte, konnte ich mich beim zweiten Test auch in der zweiten Hälfte des Rennens noch auf meine Wasserlage fokussieren. Den großen Unterschied hat also nicht das maximale Kilometerschrubben und das harte Intervalltraining gemacht, sondern die gezielten Einheiten und Drills die das Gespür für das Wasser wieder zurück holten.


Mit einem Lächeln auf den Lippen und einem positiven Gefühl im Bauch kann ich das Trainingslager hinter mir lassen. Wie es mit meinem Schwimmtraining weitergeht, weiß ich nicht. Hoffentlich tuen sich mir als Student an der Sporthochschule neue Möglichkeiten auf, sodass die wiedererlangte Form zumindest nicht gleich wieder verloren geht. Und bevor wir dann hoffentlich bald alle wieder im Wasser Vollgas geben können.

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